Bedeutung & Funktion von Testosteron
- Post 04. August 2015
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Obwohl wir es tunlichst vermeiden wollen, diesem Buch einen zu starken theoretischen und wissenschaftlichen „Touch" zu verpassen, so dass es von manchem eher als Lehrmittelbuch für den Biologieunterricht angesehen wird als eine hilfreiche Informationsquelle bei der Einnahme pharmazeutischer Präparate, sei uns gleich zu Beginn eine Ausnahme gestattet. Da Testosteron die Grundlage nahezu aller anabolen/androgenen Steroide ist, sollte jeder Athlet über ein gewisses Basiswissen bezüglich dieses Hormons verfügen. Das meiste, was in diesem Kapitel über Testosteron geschrieben wird, gilt, wenn auch in mehr oder weniger veränderter Form, ebenfalls für anabole/androgene Steroide. Wer dieses kurze, einführende Kapitel aufmerksam durchliest, wird bei der weiteren Lektüre viele Eigenschaften der besprochenen Steroide in einen klareren Zusammenhang bringen können.
Testosteron ist der wichtigste Vertreter der männlichen Sexualhormone, auch Androgene genannt. Als Grundlage für die Bildung dieser Hormongruppe dient dem Körper das Cholesterin. Die Produktion der Androgene wird von den Leydigzellen in den männlichen Keimdrüsen (Hoden) vorgenommen. Als Endprodukt entsteht dabei Testosteron, das im Organismus drei Funktionen erfüllt:
1. Es ist für die Ausprägung der sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale (vermehrte Körperbehaarung, Bartwuchs, Stimmvertiefung, erhöhte Talgdrüsenproduktion, Ausbildung des Penis, Aggressivität, sexuelles Verhalten, Libido, etc.) und für die Spermienreifung zuständig. Diese Punkte werden auch als die androgene Funktion von Testosteron bezeichnet. Was Männer von Frauen unterscheidet, ist die Menge an Testosteron, die die beiden unterschiedlichen Geschlechter täglich produzieren. Männer produzieren am Tag 4-10mg Testosteron, während es bei Frauen lediglich 0,15-0,4mg/Tag sind, also nur der ca. fünfundzwanzigste Teil.
2. Förderung der Proteinbiosynthese. Dafür sind die starken anabolen Eigenschaften von Testosteron verantwortlich. Es kommt zu einem beschleunigten Muskelaufbau, einer vermehrten Bildung von roten Blutkörperchen, einer schnelleren Regeneration, einer verkürzten Genesungszeit nach Verletzungen und Krankheiten. Der gesamte Stoffwechsel wird angeregt, die Fettverbrennung wird aktiviert.
3. Hemmung des gonadalen Regelkreises. Dieser beinhaltet die Hypothalamus-Hypophyse-Hoden-Achse, die im Organismus die Menge der Testosteronproduktion regelt. Ist die Testosteronkonzentration im Blut hoch, signalisieren die Hoden dem Hypothalamus weniger LHRH (Leuteni- zing Hormone Releasing Hormone) freizusetzen. Dadurch wird die Hypophyse zu einer geringeren Ausschüttung der Gonadotropinen LH (Leutenizing Hormone) und FSH (Follicle Stimulating Hormone) veranlasst. Das hat zur Folge, dass die Leydigzellen in den Hoden die Testosteron-produktion reduzieren.
Interessanterweise hat auch das weibliche Sexualhormon Östradiol einen ausgeprägten Effekt auf den gonadalen Regelkreis. Schon geringe Mengen von diesem Hormon besitzen einen inhibierenden Effekt auf den Hypothalamus, was, wie wir gesehen haben, in einer reduzierten Testosteronproduktion der Hoden resultiert. Diese Eigenschaft gewinnt besonders dann an Bedeutung, wenn Bodybuilder Steroide verwenden, die leicht in Östrogene konvertieren. Testosteron konnte erstmals im Jahr 1935 von Wissenschaftlern aus den Hoden von Stieren isoliert und in kristalliner Form hergestellt werden. In den vierziger Jahren wurde injizierbares Testosteron in Europa in größeren Mengen produziert, um bei Unterernährten, insbesondere bei Kriegsgefangenen, den Wiederherstellungsprozess zu beschleunigen. Während dieser Zeit wurde Testosteron vermutlich auch bei deutschen Soldaten angewendet, um deren Aggressivität zu steigern. Ende der vierziger Jahre entdeckten russische Gewichtheber die leistungsfördernden Eigenschaften von exogenem Testosteron, was sich durch die, zu dieser Zeit, ständig neu gebrochenen Rekorde belegen lässt.
